Wärmepumpe oder Gasheizung: Kostenvergleich 2026

Wer 2026 eine alte Heizung ersetzen muss, steht vor einer Entscheidung mit langer Tragweite. Wärmepumpe oder Gasheizung: Beide Systeme haben konkrete Vor- und Nachteile, die sich in Euro und Cent ausdrücken lassen. Wer sich allein auf Herstelleraussagen oder politische Versprechen verlässt, trifft keine gute Wahl. Was zählt, sind Anschaffungskosten, Jahresbetriebskosten, Förderung und die realistische Nutzungsdauer.

Was eine neue Heizung 2026 kostet

Eine neue Gasbrennwertheizung inklusive Einbau kostet für ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche zwischen 6.000 und 10.000 Euro. Darin enthalten sind Gerät, Montage und ggf. ein neuer Warmwasserspeicher. Wer bereits eine funktionierende Gasinstallation im Haus hat, spart zusätzlich.

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe schlägt im gleichen Szenario mit 15.000 bis 25.000 Euro zu Buche, bei ungünstiger Ausgangssituation im Bestand auch mehr. Sole-Wasser-Wärmepumpen mit Erdkollektor oder Tiefenbohrung liegen nochmals höher, teils bei 30.000 Euro und aufwärts. Der Unterschied bei den Installationskosten ist also erheblich.

Betriebskosten: Gas gegen Strom

Der Vergleich der laufenden Kosten hängt stark vom Energiepreis ab. Im Jahr 2026 bewegt sich der Gaspreis für Privathaushalte in Deutschland im Bereich von 9 bis 11 Cent pro Kilowattstunde, der Haushaltsstrompreis liegt bei rund 28 bis 32 Cent pro Kilowattstunde. Eine Gasbrennwertheizung arbeitet mit einem Wirkungsgrad von etwa 95 Prozent. Ein Haus mit einem Jahresheizwärmebedarf von 15.000 Kilowattstunden benötigt damit grob 15.800 Kilowattstunden Gas, was bei 10 Cent Gaspreis rund 1.580 Euro Jahreskosten ergibt.

Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe erzielt im Bestand eine saisonale Leistungszahl (SCOP) von typischerweise 2,8 bis 3,5, in gut gedämmten Gebäuden auch mehr. Bei einem SCOP von 3,0 und 15.000 Kilowattstunden Heizwärmebedarf werden 5.000 Kilowattstunden Strom verbraucht. Bei 30 Cent pro Kilowattstunde sind das 1.500 Euro jährlich. Die Betriebskosten liegen also ungefähr auf Augenhöhe, wenn die Wärmepumpe gut ausgelegt ist und ein Wärmepumpen-Sondertarif genutzt wird, der oft bei 22 bis 26 Cent liegt.

Wichtig: Diese Rechnung kippt, wenn das Haus schlecht gedämmt ist. In einem unrenovierten Altbau mit hohem Vorlauftemperaturbedarf sinkt der SCOP der Wärmepumpe auf 2,0 oder weniger. Dann steigen die Stromkosten auf 2.250 Euro und mehr, während die Gasheizung weiterhin günstig arbeitet.

Förderung und staatliche Zuschüsse

Beim Neubau gilt seit 2024 faktisch das Ende der fossilen Heizung als Standard. Im Bestand gibt es Übergangsfristen. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) fördert den Einbau einer Wärmepumpe mit einem Grundbonus von 30 Prozent, einem Klimageschwindigkeitsbonus von 20 Prozent beim Tausch einer alten Gasheizung und einem Einkommensbonus von 30 Prozent für Haushalte unter 40.000 Euro zu versteuerndem Jahreseinkommen. In der Spitze sind also 70 Prozent der förderfähigen Kosten möglich, gedeckelt auf 30.000 Euro Investitionssumme. Das macht rechnerisch bis zu 21.000 Euro Zuschuss für eine Wärmepumpe.

Aktuelle Förderbedingungen und Antragswege veröffentlicht das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle auf seiner Website. Die Förderung muss vor Beauftragung beantragt werden, das ist ein häufiger Fehler in der Praxis.

Eine Gasheizung wird nicht mehr gefördert. Ausnahmen gelten nur für wasserstofffähige Geräte unter sehr engen Voraussetzungen. Wer 2026 auf Gas setzt, trägt die vollen Kosten selbst.

Der Gesamtvergleich über 15 Jahre

Einen detaillierten Überblick, wie sich beide Systeme über einen typischen Nutzungszeitraum entwickeln, bietet der aktuelle Vergleich auf Wärmepumpe vs Gasheizung bei energieersparnis.com, der Anschaffung, Betrieb und Förderung für verschiedene Haustypen gegenüberstellt.

Eine grobe Modellrechnung für ein gut gedämmtes Einfamilienhaus zeigt:

Gasheizung Wärmepumpe (mit Förderung)
Anschaffung netto 8.000 Euro 20.000 Euro
Förderung 0 Euro bis 14.000 Euro
Eigenanteil 8.000 Euro 6.000 Euro
Jahresbetrieb ca. 1.580 Euro ca. 1.300 Euro (Sondertarif)
15 Jahre gesamt ca. 31.700 Euro ca. 25.500 Euro

Diese Zahlen setzen voraus, dass Gas- und Strompreise stabil bleiben. In der Realität gibt es Schwankungen in beide Richtungen.

Bestand ist nicht Neubau: Der entscheidende Unterschied

Im Neubau mit Fußbodenheizung und niedrigen Vorlauftemperaturen arbeitet die Wärmepumpe nahezu ideal. Im Bestand mit alten Heizkörpern und schlechter Dämmung zeigt sich das Problem: Für einen SCOP über 3,0 braucht man Vorlauftemperaturen von maximal 45 bis 50 Grad Celsius. Viele Altbauten aus den 1970er und 1980er Jahren sind dafür nicht ausgelegt, ohne dass gleichzeitig Heizkörper vergrößert oder die Dämmung verbessert wird.

Das Umweltbundesamt weist in seinen Publikationen darauf hin, dass der tatsächliche Effizienzgewinn einer Wärmepumpe stark vom baulichen Zustand des Gebäudes abhängt. Wer eine Wärmepumpe einbaut, ohne vorher den Wärmebedarf des Gebäudes zu reduzieren, verschenkt einen erheblichen Teil der möglichen Einsparung.

Faustregel: Unter einem spezifischen Heizwärmebedarf von 80 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr ist eine Wärmepumpe im Bestand wirtschaftlich sinnvoll. Darüber hinaus sollte die Sanierung Vorrang haben oder zumindest parallel geplant werden.

Was spricht trotzdem für Gas?

Wer eine Immobilie nur noch fünf bis sieben Jahre selbst nutzen will, dem rechnet sich die teurere Wärmepumpen-Investition kaum noch. Auch bei sehr niedrigen Gaspreisen, etwa durch einen günstigen Fernwärmeanschluss in der Nachbarschaft, kann der Vergleich anders ausfallen. Und wer ein denkmalgeschütztes Gebäude mit extremen Umbauanforderungen besitzt, wird von der Wärmepumpe oft auf Ausnahmegenehmigungen angewiesen sein.

Der CO2-Aufschlag auf fossile Brennstoffe steigt gemäß dem aktuellen Brennstoffemissionshandelsgesetz weiter an und verteuert Gas mittelfristig zusätzlich. Das ist keine spekulative Prognose, sondern gesetzlich festgelegter Pfad. Wer also plant, das Haus 15 Jahre oder länger zu bewohnen, kauft mit einer Gasheizung ein steigendes Kostenrisiko mit ein.

Fazit: Kein System passt überall

Eine pauschale Empfehlung für alle Haushalte gibt es nicht. Die Wärmepumpe ist im gut gedämmten Bestand und im Neubau wirtschaftlich überlegen, besonders wenn die Förderung vollständig ausgeschöpft wird. Die Gasheizung ist billiger in der Anschaffung und robuster in schlecht gedämmten Altbauten. Wer die Entscheidung mit konkreten Zahlen für sein eigenes Haus treffen will, braucht eine Bedarfsanalyse, keinen allgemeinen Ratgeber. Ein zertifizierter Energieberater kann diese Analyse leisten und ist selbst förderfähig über die BEG-Bundesförderung.